[INTERVIEW]
Seit dem Wintersemester 2003 bietet der DUD e.V. Hochschulen und Fachhochschulen produktneutrale Informationen rund um das Flachdach. Damit will der Industrieverband Kunststoff-Dach- und Dichtungsbahnen das gesammelte Wissen der Branche den Lehrenden und Lernenden transparent und verfügbar machen. Informationen aus der Praxis für die Praxis - wie kommt das Angebot an?
Die Technische Universität Dresden gehört zu den Ausbildungseinrichtungen, die schon seit einigen Semestern das Angebot der Kunststoff-Branche nutzt. Lesen Sie hierzu ein Interview mit Prof. Dr. Ing. Rainer Schach, Direktor des Instituts für Baubetriebswesen, Fakultät Bauingenieurwesen der Technischen Universität Dresden.
[Karin Arz]: Welchen Stellenwert haben für Sie die Kontakte mit der Industrie?
[Rainer Schach]: Als Universität haben wir innerhalb unserer Studienordnung gute Möglichkeiten, die Ausbildungsinhalte neuen Entwicklungen anzupassen. Das haben wir besonders für die baubetriebliche Ausbildung genutzt. In meiner Zeit als Niederlassungsleiter einer Bauunternehmung mit Schwerpunkten im Industriebau habe ich festgestellt, dass die Absolventen zum Beispiel zu wenig Wissen im Schlüsselfertigbau mitbrachten. Auch Kenntnisse um das Flachdach waren stark lückenhaft. So war es mir von Anfang an auch wichtig, den Studenten zumindest Grundkenntnisse im Baubereich Industriebau anzubieten. Insbesondere auch zu den Themen Dach und Fußböden. Ich suchte daher schon früh den Kontakt zu Verbänden und den Herstellern der Baustoffe. Dozenten aus der Praxis sind bei uns schon seit einiger Zeit in den Lehrplan eingegliedert. Kontakte zu den Herstellern von Kunststoff-Dachbahnen bestehen nun auch schon seit sechs Semestern. Insofern begrüßen wir das Projekt des DUD, herstellerübergreifend und neutral einen Wissenstransfer Industrie-Hochschule anzubieten.
[Karin Arz]: Wie ist das Echo bei den Studierenden?
[Rainer Schach]: In den letzten Jahren haben von der Gesamtzahl der Studierenden 30 Prozent das Baubetriebswesen als Studienrichtung gewählt. In den beiden vergangenen Jahren waren dies jeweils etwa 20 Studenten. Den relativ starken Zuspruch für das Baubetriebswesen führe ich mit darauf zurück, dass ich versuche, in die Lehre stark praxisorientierte Teile einzubinden. Dazu gehört auch das Zusatzwissen, bzw. die Zusatzqualifikationen im Bereich Schlüsselfertig- und Industriebau.
Der Kontakt zur Industrie ist wichtig, da es für die Professoren schwierig ist, bei dem sehr breiten Lehrangebot zeitnah neue Entwicklungen zu verfolgen und sich auf dem aktuellsten Stand zu halten. Die Verbände der Baustoffhersteller sind daher ein ausgezeichnetes Podium, auch die Produkte und deren Neuentwicklungen darzustellen. Die Initiative des DUD wird daher auch von den Studierenden besonders willkommen geheißen.
[Karin Arz]: Wie lautet für Sie die konkrete Zielsetzung des Gastvortrages aus der Industrie?
[Rainer Schach]: Hier geht es um das wirtschaftliche, qualitativ hochwertige und sichere Bauen, die korrekte Ausführung. Wir wollen die jungen Ingenieure darauf vorbereiten, alle Fragen des Generalunternehmers beantworten zu können. Die abgehenden Studenten sollen auch informiert sein, wo sie sich weiterführende Informationen einholen können. Als Schwerpunkte von Gastvorträgen wünschen wir uns Informationen zur Ausführung der Arbeiten und zu den Normen.
Der Aufbau des DUD Vortrages von den Anforderungen über Ausführung und Nutzung bis hin zum Recycling beinhaltet aus meiner Sicht die wesentlichen Grundlagen über den ganzen Lebenszyklus eines Flachdaches. Wir wünschen uns vor allem Informationen bei den konstruktiven Details, den allgemein anerkannten Regeln der Technik, Abrechnungsregeln, Prüfverfahren sowie Informationen zu den Kosten und den Materialien. Auch komplexe Strukturen der Baukonstruktion sollen angesprochen werden. Entwurf, Planung bis hin zum Brandschutz sind für uns wichtige Themen. Dazu gehört auch das Wissen um die gesamte Terminplanung, z. B. wie lange braucht man, um 10.000 m² Flachdach abzudichten? Wie groß ist die typische Kolonne? Welche Geräte sind notwendig und sinnvoll? Auch die Wartungsempfehlungen müssen den jungen Ingenieuren geläufig sein. Selbstverständlich dürfen die Themen Sicherheit und Gesundheitsschutz auf der Baustelle sowie der Umweltschutz sollten nicht zu kurz kommen.
[Karin Arz]: Welche Medien wünschen Sie sich für die Studierenden?
[Rainer Schach]: Den Studierenden sollte Unterrichtsmaterial zur Verfügung gestellt werden, das möglichst identisch ist mit dem Vortragsmaterial ist. Ein kleines Nachschlagewerk - eine Art Kurzleitfaden für das Flachdach - wäre sehr wünschenswert. Dieses sollte gedruckt sein, damit es jederzeit zur Verfügung steht. Auch eine CD-ROM mit vertiefenden Informationen - Bilder oder Video-Sequenzen, Skizzen, Details, jeweils mit erläuternden Stichworten kann sehr hilfreich sein. Die angebotene Gastdozentenreihe des DUD kann somit wertvoll ergänzt werden.
[Karin Arz]: Wie oft sollte ein Gastvortrag stattfinden?
[Rainer Schach]: Auf Grund der Vielzahl an Themen im Bereich Schlüsselfertig- und Industriebau ist pro Ausbauprozess und Studienjahr jeweils nur eine Doppelstunde vorgesehen. Für ausgewählte Themen, wie z. B. Porenbeton, oder Dach- und Dichtungsbahnen nehmen wir sehr gerne das Angebot der Industrie an, uns durch umfangreiches Lehrmaterial oder durch Gastvorträge zu unterstützen. Dieses Procedere der Zusammenarbeit nutzen wir nun schon seit einigen Jahren und haben damit auch von Seiten der Studenten eine sehr positive Resonanz.
[Karin Arz]: Ein Ausblick zum Schluss: Wie sehen Sie die Perspektiven des Studiums des Bauingenieurwesen?
[Rainer Schach]: In ganz Deutschland verzeichnen wir bedauerlicherweise seit Jahren einen starken Rückgang der Neuimmatrikulationen im Bauingenieurwesen. Da der Bedarf an Bauingenieuren in den kommenden Jahren nicht abnehmen wird, sind die Berufschancen für unsere Studenten als sehr gut anzusehen.
Der Anteil der Ausgaben für Lehre und Forschung am Bruttosozialprodukt in der Bundesrepublik ist mir insbesondere auch im Vergleich zu anderen Ländern nicht hoch genug. In einigen Bundesländern sind die Universitäten verpflichtet worden, das Diplomabschluss durch Bachelor- und Masterabschlüsse zu ersetzen. Der Bachelor soll berufsqualifizierend sein, damit sollen die Ausbildungszeiten insgesamt gekürzt werden. Der Lehrstoff im Bereich Bauingenieurwesen ist jedoch sehr umfangreich; ich habe persönlich große Zweifel, ob in den neu geplanten Studienordnungen der notwendige Lehrstoff in der erforderlichen Tiefe vermittelt werden kann.
In der Bauingenieurfakultät der TU Dresden wird ebenfalls an einer neuen Studienordnung gearbeitet. Wir halten jedoch am traditionellen Diplom fest, werden jedoch Credits und Module einführen und somit den Bolognia-Prozess umsetzen, der zum Beispiel den internationalen Studentenaustausch erleichtern soll. Bereits heute bieten wir Doppeldiplome mit der ESTP, einer Grande Ecole in Paris, und mit der Universität in Trient an. Wir werden somit in nächster Zeit kein Bachelor-Studium anbieten, sondern beim klassischen Diplom bleiben und hoffen somit auch die hohe Qualität der Ausbildung in Dresden sichern zu können. Wir bieten eine gute Mischung aus Theorie und Praxis an, mit der unsere Absolventen bestens für die Praxis vorbereitet sind.
Das Interview mit ...
Prof. Dr. Ing. Rainer Schach
Direktor des Instituts für Baubetriebswesen
Fakultät Bauingenieurwesen der
Technischen Universität Dresden
... wurde geführt von ...
Frau Karin Arz
Geschäftsführerin des DUD Industrieverband Kunststoff-
Dach- und Dichtungsbahnen
Seit dem Wintersemester 2003 bietet der DUD e.V. Hochschulen und Fachhochschulen produktneutrale Informationen rund um das Flachdach. Damit will der Industrieverband Kunststoff-Dach- und Dichtungsbahnen das gesammelte Wissen der Branche den Lehrenden und Lernenden transparent und verfügbar machen. Informationen aus der Praxis für die Praxis - wie kommt das Angebot an?
Die Technische Universität Dresden gehört zu den Ausbildungseinrichtungen, die schon seit einigen Semestern das Angebot der Kunststoff-Branche nutzt. Lesen Sie hierzu ein Interview mit Prof. Dr. Ing. Rainer Schach, Direktor des Instituts für Baubetriebswesen, Fakultät Bauingenieurwesen der Technischen Universität Dresden.
[Karin Arz]: Welchen Stellenwert haben für Sie die Kontakte mit der Industrie?
[Rainer Schach]: Als Universität haben wir innerhalb unserer Studienordnung gute Möglichkeiten, die Ausbildungsinhalte neuen Entwicklungen anzupassen. Das haben wir besonders für die baubetriebliche Ausbildung genutzt. In meiner Zeit als Niederlassungsleiter einer Bauunternehmung mit Schwerpunkten im Industriebau habe ich festgestellt, dass die Absolventen zum Beispiel zu wenig Wissen im Schlüsselfertigbau mitbrachten. Auch Kenntnisse um das Flachdach waren stark lückenhaft. So war es mir von Anfang an auch wichtig, den Studenten zumindest Grundkenntnisse im Baubereich Industriebau anzubieten. Insbesondere auch zu den Themen Dach und Fußböden. Ich suchte daher schon früh den Kontakt zu Verbänden und den Herstellern der Baustoffe. Dozenten aus der Praxis sind bei uns schon seit einiger Zeit in den Lehrplan eingegliedert. Kontakte zu den Herstellern von Kunststoff-Dachbahnen bestehen nun auch schon seit sechs Semestern. Insofern begrüßen wir das Projekt des DUD, herstellerübergreifend und neutral einen Wissenstransfer Industrie-Hochschule anzubieten.
[Karin Arz]: Wie ist das Echo bei den Studierenden?
[Rainer Schach]: In den letzten Jahren haben von der Gesamtzahl der Studierenden 30 Prozent das Baubetriebswesen als Studienrichtung gewählt. In den beiden vergangenen Jahren waren dies jeweils etwa 20 Studenten. Den relativ starken Zuspruch für das Baubetriebswesen führe ich mit darauf zurück, dass ich versuche, in die Lehre stark praxisorientierte Teile einzubinden. Dazu gehört auch das Zusatzwissen, bzw. die Zusatzqualifikationen im Bereich Schlüsselfertig- und Industriebau.
Der Kontakt zur Industrie ist wichtig, da es für die Professoren schwierig ist, bei dem sehr breiten Lehrangebot zeitnah neue Entwicklungen zu verfolgen und sich auf dem aktuellsten Stand zu halten. Die Verbände der Baustoffhersteller sind daher ein ausgezeichnetes Podium, auch die Produkte und deren Neuentwicklungen darzustellen. Die Initiative des DUD wird daher auch von den Studierenden besonders willkommen geheißen.
[Karin Arz]: Wie lautet für Sie die konkrete Zielsetzung des Gastvortrages aus der Industrie?
[Rainer Schach]: Hier geht es um das wirtschaftliche, qualitativ hochwertige und sichere Bauen, die korrekte Ausführung. Wir wollen die jungen Ingenieure darauf vorbereiten, alle Fragen des Generalunternehmers beantworten zu können. Die abgehenden Studenten sollen auch informiert sein, wo sie sich weiterführende Informationen einholen können. Als Schwerpunkte von Gastvorträgen wünschen wir uns Informationen zur Ausführung der Arbeiten und zu den Normen.
Der Aufbau des DUD Vortrages von den Anforderungen über Ausführung und Nutzung bis hin zum Recycling beinhaltet aus meiner Sicht die wesentlichen Grundlagen über den ganzen Lebenszyklus eines Flachdaches. Wir wünschen uns vor allem Informationen bei den konstruktiven Details, den allgemein anerkannten Regeln der Technik, Abrechnungsregeln, Prüfverfahren sowie Informationen zu den Kosten und den Materialien. Auch komplexe Strukturen der Baukonstruktion sollen angesprochen werden. Entwurf, Planung bis hin zum Brandschutz sind für uns wichtige Themen. Dazu gehört auch das Wissen um die gesamte Terminplanung, z. B. wie lange braucht man, um 10.000 m² Flachdach abzudichten? Wie groß ist die typische Kolonne? Welche Geräte sind notwendig und sinnvoll? Auch die Wartungsempfehlungen müssen den jungen Ingenieuren geläufig sein. Selbstverständlich dürfen die Themen Sicherheit und Gesundheitsschutz auf der Baustelle sowie der Umweltschutz sollten nicht zu kurz kommen.
[Karin Arz]: Welche Medien wünschen Sie sich für die Studierenden?
[Rainer Schach]: Den Studierenden sollte Unterrichtsmaterial zur Verfügung gestellt werden, das möglichst identisch ist mit dem Vortragsmaterial ist. Ein kleines Nachschlagewerk - eine Art Kurzleitfaden für das Flachdach - wäre sehr wünschenswert. Dieses sollte gedruckt sein, damit es jederzeit zur Verfügung steht. Auch eine CD-ROM mit vertiefenden Informationen - Bilder oder Video-Sequenzen, Skizzen, Details, jeweils mit erläuternden Stichworten kann sehr hilfreich sein. Die angebotene Gastdozentenreihe des DUD kann somit wertvoll ergänzt werden.
[Karin Arz]: Wie oft sollte ein Gastvortrag stattfinden?
[Rainer Schach]: Auf Grund der Vielzahl an Themen im Bereich Schlüsselfertig- und Industriebau ist pro Ausbauprozess und Studienjahr jeweils nur eine Doppelstunde vorgesehen. Für ausgewählte Themen, wie z. B. Porenbeton, oder Dach- und Dichtungsbahnen nehmen wir sehr gerne das Angebot der Industrie an, uns durch umfangreiches Lehrmaterial oder durch Gastvorträge zu unterstützen. Dieses Procedere der Zusammenarbeit nutzen wir nun schon seit einigen Jahren und haben damit auch von Seiten der Studenten eine sehr positive Resonanz.
[Karin Arz]: Ein Ausblick zum Schluss: Wie sehen Sie die Perspektiven des Studiums des Bauingenieurwesen?
[Rainer Schach]: In ganz Deutschland verzeichnen wir bedauerlicherweise seit Jahren einen starken Rückgang der Neuimmatrikulationen im Bauingenieurwesen. Da der Bedarf an Bauingenieuren in den kommenden Jahren nicht abnehmen wird, sind die Berufschancen für unsere Studenten als sehr gut anzusehen.
Der Anteil der Ausgaben für Lehre und Forschung am Bruttosozialprodukt in der Bundesrepublik ist mir insbesondere auch im Vergleich zu anderen Ländern nicht hoch genug. In einigen Bundesländern sind die Universitäten verpflichtet worden, das Diplomabschluss durch Bachelor- und Masterabschlüsse zu ersetzen. Der Bachelor soll berufsqualifizierend sein, damit sollen die Ausbildungszeiten insgesamt gekürzt werden. Der Lehrstoff im Bereich Bauingenieurwesen ist jedoch sehr umfangreich; ich habe persönlich große Zweifel, ob in den neu geplanten Studienordnungen der notwendige Lehrstoff in der erforderlichen Tiefe vermittelt werden kann.
In der Bauingenieurfakultät der TU Dresden wird ebenfalls an einer neuen Studienordnung gearbeitet. Wir halten jedoch am traditionellen Diplom fest, werden jedoch Credits und Module einführen und somit den Bolognia-Prozess umsetzen, der zum Beispiel den internationalen Studentenaustausch erleichtern soll. Bereits heute bieten wir Doppeldiplome mit der ESTP, einer Grande Ecole in Paris, und mit der Universität in Trient an. Wir werden somit in nächster Zeit kein Bachelor-Studium anbieten, sondern beim klassischen Diplom bleiben und hoffen somit auch die hohe Qualität der Ausbildung in Dresden sichern zu können. Wir bieten eine gute Mischung aus Theorie und Praxis an, mit der unsere Absolventen bestens für die Praxis vorbereitet sind.
Das Interview mit ...
Prof. Dr. Ing. Rainer Schach
Direktor des Instituts für Baubetriebswesen
Fakultät Bauingenieurwesen der
Technischen Universität Dresden
... wurde geführt von ...
Frau Karin Arz
Geschäftsführerin des DUD Industrieverband Kunststoff-
Dach- und Dichtungsbahnen
